Endometriose- Die unerkannte Erkrankung

Endometriose ist eine der häufigsten gutartigen, aber meist schmerzhaften, chronischen Erkrankung bei Frauen. Im Durchschnitt dauert die Diagnosestellung 10 Jahre. In diesem Zeitintervall haben etwa 50 Prozent der betreffenden Frauen fünf oder mehr Ärzte aufgesucht. (3) Oft werden Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Verkehr, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang bzw ungewollte Kinderlosigkeit nicht der Erkrankung Endometriose zugeordnet bzw gedeutet.

Es ist mir ein großes Anliegen, Frauen welche an Endometriose leiden, zu einer schnellen Diagnose und Therapie zu verhelfen. Als Facharzt für Gynäkologie und Chirurgie habe ich auch die fachliche Qualilfikation für die exakte Durchführung der dazu gelegentlich notwendigen, aufwendigen Operationsverfahren. Gerne kümmere ich mich auch d ie weiteren Kontakte bei Endometriose und Kinderwunsch her und begleiten Sie bis hin zur Geburt.

Was genau ist Endometriose

Es handelt sich dabei um Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die außerhalb der Gebärmutterhöhle vorkommt. Normalerweise verändert sich die Gebärmutterschleimhaut zyklusabhängig, jedoch sollte sich diese nur in der Gebärmutter befinden. Wenn allerdings Endometrioseherde im unteren Bauch- bzw. Beckenraum auf die hormonellen Veränderungen reagieren, entstehen oftmals lokale Entzündungen, welche Schmerzen verursachen. Häufig sind auch die Eierstöcke betroffen, hier können mit unter sonographisch Zysten dargestellt werden (Schokoladezyste). Auch kann die Gebärmuttermuskulatur befallen sein. Eine Ausbreitung auf Blase, Darm, Eileiter und Scheidenwände ist möglich. Äußerst selten manifestiert sich die Endometriose in der Lunge oder im Gehirn. Je länger Endometrioseherde bestehen, desto tiefer infiltrieren diese das umliegende Gewebe. Beschwerden nehmen deshalb üblicher weise im Verlauf der Erkrankung zu. Gerade deshalb ist eine frühe Diagnosesicherung mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) bei bestehendem Verdacht auf Endometriose sinnvoll.

Häufigkeit

Etwa 4 bis 12 % aller Frauen erkranken zwischen der Pubertät und den Wechseljahren daran. Die Prävalenz unterscheidet sich nach der klinischen Situation. So liegt sie bei Frauen mit Regelschmerzen bei 40 bis 60 %, bei Frauen mit chronischen Unterleibschmerzen bei über 30 % und bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch bei etwa 20 bis 30 %. (1) Bei Verwandten ersten Grades (Mütter, Schwestern) von Endometriosepatientinnen fand sich die Erkrankung mit einer Prävalenz von 6,9 % .

Ursache

Im Wesentlichen gibt es 4 Erklärungsmodelle, die Entstehung ist jedoch nicht restlos aufgeklärt:

Transplantationstheorie nach Sampson: hierbei wird vermutet dass die Gebärmutterschleimhautzellen während der Menstruation nicht wie normalerweise über die Gebärmutter abbluten sondern über den Weg der Eileiter in den Bauchraum gelangen. Aber dies ist nicht nur über die Eileiter sondern auch über das Blut und Lymphgefäße möglich. Sowie durch operative Eingriffe an der Gebärmutter. Zusammenfassend also eine Verschleppung von Zellen.

Metaplasietheorie nach Meyer: es wird vermutet dass Endometrioseherde an Ort und Stelle aus embryonalen Zellen entstehen. Zusammenfassend also aus pluripotenten Zellen neu entstehen.

Induktionstheorie stellt eine Kombination aus der Transplantations- und Metaplasietheorie dar.

Archimetratheorie von Leyendecker: es geht hierbei um ein Modell zur Erklärung der Endometriose innerhalb der Gebärmuttermuskulatur ( Adenomyosis). Danach führt eine gesteigerte Peristaltik der Gebärmuttermuskulatur zu kleinsten Verletzungen in dieser (Autotraumatisierung). Im Reparationsmechanismus werden lokal Östrogene freigesetzt, welche wiederum die Peristaltik verstärken. (4,5)

Keine der vorliegenden Theorien kann jedoch bislang das komplexe Bild der Endometriose erklären. Vielmehr muss man ein multimodales Konzept aus den bisher bekannten Theorien annehmen, in dem eine Vielzahl von verschiedenen Faktoren zusammenwirkt. (6)

Behandlung

Da es bis lang keine hinreichende Erklärung für die Entstehung der Endometriose gibt und auch die diagnostischen Möglichkeiten eingeschränkt sind bleibt zumeist keine andere Alternative als die Operation. Ich bemühe mich vor allem bei bestehendem Kinderwunsch um organerhaltende Operationsmethoden. Zumeist wird die Operation im Rahmen einer Bauchspiegelung durchgeführt. Ziel der operativen Therapie sollte immer die Schmerzfreiheit sein oder den langersehnten Kinderwunsch erfüllen zu können.

Literatur

1. Fritz Nagele: Endometriose – Ein unterschätztes Leid? J Gynäkol Endokrinol 3 (2009), 45-46. (PDF-Dokument; 242 kB)

2. A. E. Schindler, P.-A. Regidor; In: J. W. Dudenhausen: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Walter de Gruyter, 2002.

3. S. Dogan, S. Djalali, A. Agic, K. Diedrich, D. Hornung: Diagnostik der Endometriose: Neue Tests aus peripherem Blut. J Gynäkol Endokrinol 2 (2008), 14–17, (PDF-Dokument; 263 kB) G.

4. Leyendecker, L. Wildt, G. Mall: Uterine peristaltic activity and the development of endometriosis. Ann N Y Acad Sci 1034 (2004), 338) PDF-Dokument; 885 kB)

5. Jörg Keckstein, Gernot Hudelist, Frank Tuttlies, Uwe Ulrich: Update Endometrioseforschung. Neue Konzepte – neue Methoden. gynäkologie + geburtshilfe 2 (2010), 22-25, PDF-Dokument; 363 kB)

6. Oehmke F, Suwandinata F, Deisting C, Tinneberg H: Datenlage zur Endometriose, Gynäkologie, 2007, 40:521–526