Unter dieser Rubrik wollen wir Sie auf die neuesten Erkenntnisse der „Medizin für die Frau“ hinweisen.

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Prim. Dr. Burghard Abendstein hielt am 10.5.16 im Rahmen der Serie MEDKONKRET in der Messe Dornbirn einen Vortrag zum Thema „Endometriose – Unsichtbares Leid“.

Hier für Sie ein Auszug aus den Vorarlberger Nachrichten:

Abhilfe bei Scheidentrockenheit

Die wesentliche Ursache für das Symptom einer trockenen Scheide stellt die postmenopausale Involution des weiblichen Genitaltrakts dar, welche durch einen Östrogenmangel verursacht wird. Erniedrigte Östrogenwerte haben in diesem Zusammenhang eine Reihe von unerwünschten Defekten, von welchen die vaginale Trockenheit von den meisten Frauen als ausgesprochen unangenehm empfunden wird und eine negative Auswirkung auf Lebensqualität allgemein und Sexualität im Besonderen zeigt. Darüberhinaus stellt die vaginale Trockenheit auch eine unerwünschte Nebenwirkung im Rahmen von Tumortherapien (Chemotherapie oder antihormoneller Therapie) dar. Sowohl durch den physiologischen als auch iatrogenen Östrogenabfall kommt es unter anderem zu einer Verringerung der Hautdicke, mit Abfall der Collagen I und III Synthese, Verminderung der elastischen Fasern des dermalen Bindegewebes sowie Abfall von sauren Mukopolisacchariden und Hyaluronsäure mit der konsekutiven Abnahme des dermalen Wasserspeichers. Hyaluronsäure ist ausgesprochen hygroskopisch und kann Wasser bis zum 1000-fachen seines Eigengewichtes binden. Hyaluronsäure erhöht demnach auch den Turgor der Vaginalhaut. Dadurch öffnen sich extrazelluläre Räume, was das Einwandern von Zellen, wie zum Beispiel Makrophagen und Fibroblasten, erleichtert. Dies ermöglicht die physiologische Regeneration der Vaginalhaut. Durch denselben Mechanismus wird auch die Angioneogenese unter Aufbau der extrazellulären Matrix stimuliert. Die pharmakologische Wirkung der Hyaluronsäure bei regenerativen Abläufen im Gewebe und in der Wundheilung ist bestens dokumentiert.

Annähernd die Hälfte aller postmenopausalen Frauen beklagen Symptome der vaginalen Trockenheit. 75 % der Betroffenen beklagen dadurch eine negative Auswirkung auf ihre gesamte Lebensqualität. Der negative Einfluss vaginaler Trockenheit auf die Lebensqualität ist in vielen Studien ausreichend dokumentiert. Zirka ein Drittel der betroffenen Frauen wünscht eine spezifische Therapie.

Behandlungsoptionen:

Zur Behandlung vaginaler Trockenheit kommen im Prinzip mehrere Möglichkeiten in Frage. Grundsätzlich ist die systemische Therapie von der lokalen Therapie zu unterscheiden. Bei Fehlen allgemeiner Symptomatik und ausschließlichem Vorliegen von Beschwerden aufgrund von vaginaler Trockenheit kommen in erster Linie lokale Behandlungsmethoden in Frage. Die Methode der Wahl ist sicherlich auch heute die Verabreichung topischer Östrogenpräparate (Zäpfchen, Cremen oder Vaginaltabletten). Eine Bereicherung der Therapieoption vaginaler Atrophie stellen gerade für Krebspatientinnen nach Brust- bzw. Gebärmutterkrebs Zäpfchen mit dem Hauptwirkstoff Hyaluronsäure dar.

Die Hyaluronsäure führt zu einer Zunahme der Vaginalhautdicke, dadurch auch Verbesserung des vaginalen Hautturgors, Verbesserung der Wundheilung und Elastizität. Während der Behandlung mit hyaluronsäurehältigen Vaginalsuppositorien verschwinden nicht nur Trockenheit, Juckreiz und Brennen, sondern offensichtlich durch die Zunahme der Hautdicke auch eine Besserung von Dranginkontinenz. Diese Behandlung wurde deshalb bereits erfolgreich zur Regeneration des Vaginalgewebes nach Chemotherapie, Bestrahlungen und gynäkologischen Eingriffen eingesetzt. Die verbesserte Heilung von Fissuren, Rissen und atrophen Kolpitiden ist vielfach nachgewiesen.

Zahlreiche internationale aber auch österreichische Studien konnten die Wirksamkeit und Verträglichkeit hyaluronsäurehältiger Vaginalsuppositorien nachweisen. Eine österreichische Beobachtungsstudie an insgesamt 160 Patientinnen mit vaginaler Atrophie zeigte eine hochsignifikante Verbesserung der Dyspareunie bei ausgezeichneter Verträglichkeit. Ebenso aus Österreich zeigte eine Studie (J.Fertil.reprot.2/2006) eine signifikante Verbesserung von Dyspareunie, Schmerzen, Trockenheit, Spannungsgefühl, Brennen, Juckreiz, Fissuren, Rötung, Entzündungen bereits nach einer 3-wöchigen Therapie. In dieser Studie konnte durch die Behandlung mit hyaluronsäurehältigen Vaginalzäpfchen auch eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität festgestellt werden. Zu ähnlicher Überzeugung und Ergebnissen kamen gerade in den letzten Jahren internationale Studiengruppen (Minerva, Gynecol, 2012, AUG; 64 (4): 321, IURREV, Med, Cavacol, SCI.2008, Nov bis Dez; 12 (6): 411, Arzneimittelforschung 2006; 56 (3): 230).

 

Dauer des Klimakteriums

Frauen, die erstmals von Hitzewallungen und Schweißausbrüchen gequält werden, möchten gerne wissen, was sie noch erwartet und wie lange diese Symptome anhalten. In einer britischen Studie (BMJ 2012; 344) wurden Antworten gesucht.

Im Rahmen einer Kohortenstudie wurden knapp 700 Frauen im Alter zwischen 47 und 54 Jahren nach 20 üblichen Menopausensymptomen gefragt. Ausgeschlossen waren Frauen nach Gebärmutterentfernung und mit Hormonersatztherapie. Bei den Symptomen kristallisierten sich 4 Cluster typischer Wechselbeschwerden heraus: vasomotorische Symptome (Hitzewallungen, Schweißausbrüche), psychische (Schlafstörungen, Angst, Depression), somatische (z.B. Gelenksbeschwerden, Schwindel, Herzklopfen, Kopfschmerz) und sexuelle (Scheidentrockenheit). Frauen, die rund um die letzte Blutung relativ milde Beschwerden aller Kategorien aufwiesen, brauchen in der Regel auch in den nächsten Jahren nicht mit schweren Symptomen zu rechnen. Dagegen leiden Frauen mit ausgeprägten Symptomen oft mehrere Jahre darunter.

Günstig scheint es, wenn vasomotorische Symptome schon 3 Jahre vor der Menopause auftreten. Dann gehen sie in vielen Fällen rasch wieder zurück. Bei einem späteren Auftreten dauerten sie dagegen oft über Jahre an. Dies entspricht der Erfahrung, dass einige Frauen auch mit 70 oder 80 Jahren noch unter Beschwerden leiden.

Die wirksamste Therapie – eine Östrogen/Gestagen-Kombination – ist wegen der Nebenwirkungen zum Teil umstritten. Außerdem leidet ein Teil der Frauen auch nach der empfohlenen Höchstbehandlungsdauer noch an den unangenehmen Symptomen. Gerade für diese Frauen müssen alle therapeutische Alternativen ausgeschöpft werden.

Hormonersatztherapie und Brustkrebs – Aktueller Review

In ihrem aktuellen Review (J Natl Cancer Inst. 2012; 104) beleuchten die Autoren die bisherige Datenlage bzgl. Zusammenhang zwischen Hormonersatztherapie und Brustkrebs. Wenn Frauen eine Kombination von Östrogen und Gestagen einnahmen, so zeigte sich in allen relevanten Studien eine Zunahme des Risikos für ein invasives Mammakarzinom sowie vermehrt das Auftreten von Lymphknotenkrebs und ein höheres Risiko für Herzerkrankungen, Thrombose, Schlaganfall, aber ein niedrigeres für Knochenbrüche und Darmkrebs. Im Gegensatz hierzu war die alleinige Östrogensubstitution bei Patientinnen nach Gebärmutterentfernung mit keinem erhöhten bzw. dann mit einem erniedrigten Risiko behaftet. Wie dieser Effekt zu erklären ist, darüber besteht auch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft noch Unklarheit.

Wechseljahre und Herzinfarkt

Eine aktuelle Studie (Dtsch Sportmed 2012; 63) hat ergeben, dass Frauen, die nach der letzten Regelblutung sportlich bleiben, ihr Herzrisiko langfristig senken.

Wenn die Hormone schwinden, steigt das Risiko für Herzinfarkt bei Frauen. Ein gewisser schützender Ausgleich gelingt durch regelmäige Bewegung. Welchen Einfluss ein langfristiges körperliches Training hat, untersuchten Kollegen der Universität Erlangen-Nürnberg. 1998 schlossen sie 137 frühpostmenopausale Frauen (Durchschnittsalter 55 Jahre) in die Untersuchung ein. 86 von ihnen nahmen in den kommenden 12 Jahren an einem intensiven Ausdauer- und Krafttraining (2,1 Einheiten pro Woche über 49 Wochen im Jahr) teil, die anderen 51 behielten ihr vorbestehendes Aktivitätsniveau bei. Zum Ende des Beobachtungszeitraumes wurden 40 Frauen aus der Trainings- und 43 aus der Kontrollgruppe in die Analyse aufgenommen. Bedeutsame Unterschiede zeigten sich beim Taillenumfang, er nahm in der Trainingsgruppe um 9,6 cm zu, in der Kontrollgruppe um 13,8; der systolische Blutdruck kletterte bei den unsportlichen um 6,2 mmHg, während er bei den sportlichen um 2,6 mmHg sank. Günstige Effekte der körperlichen Bewegung zeigten sich auch bezüglich Blutfettkonzentration. Die Ergebnisse belegen, dass ein regelmäßiges intensives Training für Frauen in den Wechseljahren durchaus dazu dienen kann, Herz und Kreislauf zu schützen.